Inhalte der Andreasloge

Die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland wird auch Freimaurer-Orden genannt. Sie ist in ihrem Aufbau in drei Ordensabteilungen (siehe Tabelle unten) untergliedert, in denen ein jedes Mitglied aufgenommen wird, um dem gesamten stufenweisen Zugang zur sogenannten »Ordenslehre«, »Lehrart« und »Übungsweise« zu erhalten.

Johannisloge:I. bis III. GradErste Ordensabteilung Johannes der Täufer
Andreasloge:IV. bis VI. GradZweite OrdensabteilungAndreas der Apostel
Ordenskapitel: VII. bis X. Grad Dritte OrdensabteilungJohannes der Evangelist

Darüber steht das »Höchste Ordenskapitel« für die Inhaber des XI. Grades, die Ritterkommandeure mit dem Roten Kreuz. Sie bilden die gesetzgebende Bruderschaft und den inneren Zirkel der Führungsebene.

Die Inhalte der Andreasmaurerei (IV., V. und VI. Grad) gehen wie die der Johannismaurerei (I., II. und III. Grad) auch auf Steinmetzbruderschaften, »Christentum«, »Kabbala«, »Hermetik«, »Alchemie«, »Rosenkreuzertum« zurück. Die Freimaurerei schöpft aus allen diesen Quellen. Jedoch zeigt sich in der neueren Forschung, dass die Freimaurerei hauptsächlich eine hermetische Tradition war und dass sie erst gegen Ende des 17. Jahrhunderts eine Liaison mit der Symbolik der Werkmaurerlogen (auch Bauhütten genannt) eingegangen zu sein scheint.

Ihre hermetische Tradition besteht heute noch in verschiedenen Freimaurer-Systemen fort dort aber in unterschiedlicher Intensität. In der Schwedischen Lehrart, der die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland angehört, wird ihr Folgendes im Internationalen Freimaurerlexikon attestiert:

Stark von Mystik ist nach wie vor die Schwedische Lehrart, bezw. Zinnendorfsche Lehrart erfüllt, die geradezu als eine in freimaurerische Formen gehüllte Erneuerung der mittelalterlichen christlichen Mystik bezeichnet werden kann.

vgl. Eugen Lennhoff, Oskar Posner und Dieter A. Binder. Internationales Freimaurerlexikon. F. A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH. 7. überarb. u. aktualis. Nachauflage. München 2011.

Die Andreasbrüder verstehen die alt- und neutestamentarischen Heiligen Schriften nicht nur in einem wörtlichen oder historischen Sinn, sondern darüber hinaus auch in einem moralischen und einem esoterisch-mystischen Sinn. Ebenso deuten Andreasbrüder die freimaurerische Symbolik in (mindestens) drei Bedeutungsebenen.

Wenn man die Johannisloge mit ihrer in Abmessen und Richten bestehenden Arbeit eine geistige Statik nennen könnte, so gilt in der Andreasloge, das Gelernte zur tatsächlichen Ausführung zu bringen, was man eine geistige Dynamik nennen könnte. Um diese Arbeit ganz zu verstehen und würdigen zu können, muss man sich vergegenwärtigen, dass das was nicht getötet werden konnte, geborgen werden muss, damit aus ihm sich neues Leben entwickeln kann. »Ziehet den neuen Menschen an!« das ist die Forderung, die man als Andreasbrüder zu erfüllen hat. (vgl. Epheser 4, 24)

Schon an diesen wenigen Zügen lässt sich erkennen, wie sich in der Andreasloge die Arbeit der Johannisloge erweitert, vertieft und veredelt. Der Johannismaurer flieht das Laster und strebt der Tugend nach. Der Andreasbruder flieht es nicht, sondern schaut ihm standhaft ins Antlitz, und statt sich aus dem Hinterhalte anfallen zu lassen, nimmt er den Kampf ehrenhaft auf. Der Johannismeister lernt, dass das göttliche Gesetz auch den Tod miteinschließt. Der Andreasbruder besiegelt das göttliche Gesetz durch seine befreiende Tat, indem er, keine Finsternis scheuend, das Leben dem Tode abzuringen trachtet. Der Johannismeister hat sich selbst verloren. Der Andreasbruder hingegen hat sich selbst wiedergefunden. Er spürt es an der göttlichen Kraft und an dem Licht, das wieder sein eigen werden muss.

Die »Monas Hieroglyphica« (1564):
Im Werk »Monas Hieroglyphica« von John Dee (1527-1608) wird ferner das Kreuz der Elemente erwähnt und dabei auf das Griechische wie auch auf das Andreaskreuz eingegangen. In einer Rosenkreuzerschrift von 1714 mit dem abgekürzten Titel »Amphitheatrum Magiae Universae Theoreticae et Practicae …« wird wiederum mit der Erwähnung Tubal-Kains (vgl. 1. Buch Mose 4,22) weiter ausgeführt, wie damit eine geistige Evolution, d.h. eine Metanoia vollzogen werden kann:

Und zwar vorgebend/es wird gesagt/Tubalcain habe einen geheimen Stab zusammen getragen/seine eigene Bildnus vorzustellen/dann als er erkannt/es seye des Gestirns/der Metallen/und der Glieder des Menschlichen Körpers/höchste/will nicht sagen/zauberisches Sympathie/und einhellige Gleichförmigkeit/derohalben hab er das Haupt als Thron der Weißheit/mit dem Zeichen [Mond] /die Brust mit dem Zeichen [Sonne]/den Bauch oder Rücken/mit dem Zeichen [gr. Kreuz]/als mit dem Zeichen der Elementen/und die Geburts-Glieder mit dem Zeichen [astr. Widder]/als Zeichen der Stärcke gezeichnet.

vgl. Felix Maurer. Amphitheatrum Magiae Universae Theoreticae et Practicae oder Gründlicher, ausführlicher Bericht und Unterricht von denen grössesten Geheimsten Wunder-Sachen Gottes (etc.). Nürnberg 1714. Seite 803.

Dabei handelt es sich um die Hauptkomponenten aus denen die »Monas Hieroglyphica« zusammengesetzt ist: Mondsichel, Sonne, Kreuz der Elemente und astrologisches Zeichen des Widders. Besonders offensichtlich wird der Bezug zur »Monas Hieroglyphica« durch die Anordnung der Mondsichel in diesem Werk und die gemeinsame Erwähnung der vier Hauptkomponenten in dieser Textstelle (siehe oben).

Unsere Andreasbruderschaft erwartet von ihren Mitgliedern ein Interesse an den philosophischen, gnostischen, hermetischen, kabbalistischen und rosenkreuzerischen Wurzeln bzw. Grundlagen der Freimaurerei sowie an templerischen und ritterlichen Inhalten. Die Offenheit für Verknüpfungen und die Bereitschaft, seinen eigenen Verstand zu gebrauchen, ist eine grundlegende Voraussetzung hierfür.

Damit tritt u.a. die Vielfalt und die Tiefe der Andreasmaurerei deutlich zutage. Es lohnt sich über die Johannismaurerei hinaus auf den IV. Grad zuzugehen und sich mit den Inhalten der höheren, weiterführen Ordensgrade und Hochgrade zu befassen.