Geschichte der Andreasvereinigung

Den Mannheimer und Darmstädter Freimaurern war es ein besonderes Anliegen, kurz nach der Stiftung der Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« in Darmstadt am 30.10.1921, eine »Vereinigung von Andreasbrüdern zu Darmstadt« zu gründen als Vorstufe zur Stiftung einer Andreas-Freimaurerloge. Mitte November (16.11.) 1922 gründete »Dr. med. Carl Happich« die Darmstädter Andreasvereinigung und stand ihr von 1922 bis 1931 vor. Sein Buch »Anleitung zur Meditation«, welches 1938 veröffentlicht wurde, ist u.a. ein Resultat der Zusammenarbeit mit Andreasbrüdern dieser Vereinigung. 

Siegel der Vereinigung von Andreasbrüdern »Custodes Templi« zu Darmstadt

1924 wurde die Andreas-Freimaurerloge »Fides immortalis« in Frankfurt am Main gestiftet und die Andreasvereinigung in Darmstadt parallel fortgeführt (siehe Protokoll vom 14.06.1926). Sie hat nichts mit der in Darmstadt kurzzeitig verweilenden Johannis-Freimaurerloge »Zum heiligen Andreas zur schottischen Beständigkeit« sowie der 1928 in Darmstadt betriebenen Johannisvereinigung »An Odins Bergen« unter der Konstitution der »Großen National-Mutterloge Zu den drei Weltkugeln« zu tun. Die Andreas-Freimaurerloge »Fides immortalis« wurde 1924 durch die Johannis-Freimaurerlogen »Zum flammenden Schwert« in Darmstadt, »Wilhelm zur Unsterblichkeit« in Frankfurt, »Braunfels zur Beharrlichkeit« in Hanau und »Nassau-Oranien zu den beständigen Quellen« in Wiesbaden gestiftet.

Die 1935 durch das Nazi-Regime verbotene »Vereinigung von Andreasbrüdern zu Darmstadt« wurde am 21.11.1946 unter starkem Engagement der Darmstädter Freimaurer Wilhelm Klingelhöffer und Hermann Küster reaktiviert. Wilhelm Klingelhöffer stand ihr bis zu seinem Tode am 30.05.1948 vor. Er war an der Gründung der Provinzialloge von Hessen-Baden-Württemberg maßgeblich beteiligt aber leider hat er die Reaktivierung der Andreas-Freimaurerloge »Corona« in Mannheim am 13.11.1948 nicht mehr miterlebt. Die Andreasvereinigung »Custodes Templi« stand bei ihrer Gründung unter der Aufsicht der Andreas-Freimaurerloge »Corona« in Mannheim.

Hermann Küster hatte aufgrund des plötzlichen Todes von Wilhelm Klingelhöffer kommissarisch sein Amt als Vorsitzender Meister der Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« übernommen und füllte somit bis 1954 eine Doppelfunktion als Vorsitzender der Vereinigung und der Darmstädter Johannis-Freimaurerloge aus. Des Weiteren war er bei der Reaktivierung der Andreas-Freimaurerloge »Fides immortalis« in Frankfurt am Main am 17.06.1949 führend beteiligt. Darmstadt befand sich in der Mitte der Provinz Hessen-Baden-Württemberg. Die Provinzialloge von Baden-Württemberg trennte sich am 27.08.1955 von der Provinzialloge von Hessen (deren Gründungsdatum der 22.03.1948 gewesen war). Nach der Trennung der beiden Provinzen unterstand die Darmstädter Andreasvereinigung zunächst weiterhin der Mannheimer Andreas-Freimaurerloge »Corona«.

Ernst Contag wurde Vorsitzender der »Vereinigung von Andreasbrüdern zu Darmstadt« von 1954 bis zur Übernahme des Amtes des Vorsitzenden Meisters der Darmstädter Johannis-Freimaurerloge am 23.10.1960.

Carl-Leo Külp hatte von 1960 bis 1965 den Vorsitz der Andreasvereinigung.

»Otto Wolfskehl« stand ihr zum ersten Mal von 1965 bis 1968 vor und gab den Vorsitz mit Übernahme des Amtes des Wortführenden Andreasmeisters in der Andreas-Freimaurerloge »Ignis Sacer« in Kassel ab. Er blieb der Vorsitzende der Andreasvereinigung bis 1968 obschon er bereits seit Mitte 1966 nach Kassel gezogen war.

Karl-August Balser übernahm danach die Leitung. Durch seinen plötzlichen Tod am 07.07.1981 gerieten einige Unterlagen durcheinander. Nach ihm entstand eine große Wissenslücke, denn er stand der Andreasvereinigung über zwölf Jahre lang vor. Armin Kalz hatte bereits Teile der Unterlagen übernommen aber lange nicht sichten können. Er wurde zu seinem kommissarischen Nachfolger ernannt. Ab 1982 stellte sich Erwin Hoeft die Aufgabe, den Freimaurern durch Vorträge in Darmstadt, Andreas-Themen nahezubringen. Er war zu jenem Zeitpunkt Wortführender Andreas-Meister der Frankfurter Andreas-Freimaurerloge »Fides immortalis«. Um die Ressourcen der Andreas-Freimaurerloge in Frankfurt für die Darmstädter Andreasbrüder mit einbinden zu können, entschied er sich eine zweite Andreasvereingung unter der Aufsicht der Frankfurter Andreas-Freimaurerloge ins Leben zu rufen. Am 27.01.1988 wurde die »Andreasvereinigung Fides immortalis zu Darmstadt« von Erwin Hoeft gegründet, »damit die Darmstädter Brüder ihre Arbeit für die Andreasloge in ihrem Logenheim intensivieren können.« (siehe »Meldung für den Abschnitt – Aus den Logen – der ZK« zum 27.01.1988 von Gerhard E. Hartmann). Nach seinem Amtswechsel ist sie nicht weiter fortgeführt worden.

Zum Andreasfest 1994 trennten sich die Wege der Andreasloge »Corona« (Mannheim) und der Andreasvereinigung »Custodes Templi« (Darmstadt). Die Gründe lagen weit zurück in der Aufteilung der Provinziallogen von Hessen und Baden-Württemberg (1955) aber auch an den Personalveränderungen in den Andreaslogen.

Armin Kalz hatte währenddessen begonnen für das 75. Jubiläum der Darmstädter Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« (1996) alle Unterlagen unter Zuhilfenahme von Detlef Mertgen zu sichten. Zeitgleich war er Wortführender Andreas-Meister in Frankfurt am Main und damit der erste Darmstädter überhaupt in diesem Amt. Unter seiner Ägide wurde 1997, eine neue Satzung der Andreasvereinigung »Custodes Templi« implementiert. Die alte Satzung datierte auf den 21.11.1946 zurück. Bis 2002 blieb er außerdem Vorsitzender der Andreasvereinigung. Armin Kalz verbringt seinen Lebensabend seit Anfang 2004 in Görlitz. Viele der hier vorliegenden Informationen stammen aus seinen immensen Nachforschungen und den von ihm zur Verfügung gestellten Akten. Mitte Januar 2013 holte Arno Moos den Restbestand des Archivs aus Görlitz nach Darmstadt zurück. Es wurde angefangen, Unterlagen zu inventarisieren und einzelne Dokumente einzuscannen. Die Unterlagen befinden sich nun im nach ihm benannten »Armin-Kalz-Archiv«.

Danach übernahm Karl Mink 2002 die Führung der Andreasvereinigung »Custodes Templi« bis zum 28.11.2008. Er hatte den Unterricht zu Andreas-Themen intensiviert und führte den Andreas-Themen-Tag ein (einmal im Quartal). Diese Tage waren so gestaltet, dass die Andreasbrüder gemeinsam frühstückten, danach fanden Unterrichte im Andreas-Meister- (VI.) und im Andreas-Lehrlings-Mitbruder-Grad (IV./V.) statt. Die Johannis-Meister stießen zum Mittagessen dazu und danach wurde der Unterricht im Johannis-Meister-Grad gegeben, wobei besonderes auf die Akzente der Andreasmaurerei in der Johannisloge geachtet wurde; ohne dabei die Arkandisziplin zu verletzen. Eigens dafür wurde 2006 damit begonnen, die Satzung anzupassen und das erste Bestreben aus der Andreasvereingung einen eingetragenen Verein zu machen. Die überarbeitete Satzung wurde am 01.12.2007 verabschiedet. Zu einer Eintragung kam es aber nicht.

»Giovanni Grippo« übernahm in Frankfurt am Main das Amt des Wortführenden Andreasmeisters vom 15.11.2008 bis zum 30.11.2013. Nach seiner Einsetzung wurde Giovanni Grippo von Karl Mink gebeten, den Vorsitz der Darmstädter Andreasvereinigung zu übernehmen, was am 28.11.2008 erfolgte. Giovanni Grippo lagen die Zusammenarbeit der Frankfurter und Darmstädter sowie der Mannheimer Bruderschaften sehr am Herzen. Es wurde geplant, den Nutzen der Andreas-Themen-Tage auch den Frankfurter und Mannheimer Andreasbrüdern näher zu bringen. Heute werden noch immer in der Mannheimer Andreas-Freimaurerloge »Corona« Andreas-Themen-Tage nach dem Konzept von Karl Mink durchgeführt.

Mit einer kleinen Gruppe begann Giovanni Grippo die Erarbeitung des Buches mit dem Titel »Konvolut für Andreasmeister über die Andreasgrade« (für die Erkenntnisstufe VI), um auf diese Weise die Zusammenarbeit der Frankfurter und Darmstädter Andreasbrüder zu stärken und um die gewonnenen Erkenntnisse über die Andreasmaurerei für die Nachwelt zu bewahren. Im Buch kommen Themen zum Tragen, die u.a. in der Darmstädter Andreasvereinigung erarbeitet wurden. 2012 wurde es veröffentlicht. Das Buch kann u.a. über die »Forschungsvereinigung Frederik« erworben werden.

Die allmähliche Erarbeitung der Geschichte der Andreasvereinigung »Custodes Templi« zeigte auch auf, warum fast alle Wortführenden Andreas-Meister der Andreas-Freimaurerloge »Fides immortalis« aus der Frankfurter Johannis-Freimaurerloge »Wilhelm zur Unsterblichkeit« stammten. Die Darmstädter Brüder waren in der »Vereinigung von Andreasbrüdern zu Darmstadt« von 1922 sehr aktiv und nahmen laut den Anwesenheitslisten der Andreas-Freimaurerloge »Fides immortalis« meistens nur an Tempelarbeiten dort oder in Mannheim teil. Armin Kalz und Giovanni Grippo sind von den 14 Wortführenden Andreas-Meistern bis heute die einzigen Darmstädter Brüder, die das Amt in der Frankfurter Andreasloge innehatten.

Nach der Rückkehr der Darmstädter Johannis-Freimaurerloge in das heutige Logenhaus in der Sandstraße 10 am 01.09.1990 konnten dort wieder Andreas-Tempelarbeiten (d.h. Tempelarbeiten im IV., V. und VI. Grad) umgesetzt werden. In diesem Logenhaus, welches nach dem Krieg in den 1960er Jahren wieder aufgebaut wurde, fand einst 1921 die Stiftung der Johannis-Freimaurerloge »Zum flammenden Schwert« statt. Die Darmstädter und Frankfurter Andreasbrüder ergriffen die Gelegenheit in Absprache mit den Mannheimer Andreasbrüdern und entschieden sich, in regelmäßigen Abständen wieder Andreas-Tempelarbeiten auch im Darmstädter Logenhaus auszurichten. Das bedeutete, dass ein paar Brüder alle Ritualgegenstände und Utensilien aus dem Frankfurter Logenhaus nach Darmstadt brachten und danach wieder zurückführten. Diese Tradition hielt bis Ende 1999 an und darum besteht seit dem dort ein doppelter Satz an Ritualgegenständen.

Ab 2000 wurde seitens der Leitung der Frankfurter Andreasloge entschieden, dass nur noch inhaltliche und administrative, d.h. nicht-rituelle Andreas-Abende in Darmstadt verbracht werden sollten. Das Konzept des Andreas-Themen-Tages wurde daraufhin 2002 eingeführt. Die Andreas-Tempelarbeiten fanden aber nur noch im Frankfurter Logenhaus statt. Mit einigen Ausnahmen schaffte es Giovanni Grippo bis Ende 2013 einen ausgewogenen Ausgleich zwischen Andreas-Abenden in Darmstadt und Frankfurt umzusetzen. Nach seiner Amtszeit in Frankfurt und u.a. aufgrund der Renovierung des Darmstädter Logenhauses (in der Zeit vom März 2016 bis September 2017) finden alle Abende der Andreas-Freimaurerloge nur noch im Frankfurter Logenhaus statt. Nach der Renovierung finden die Andreas-Themen-Tage nach wie vor einmal im Quartal (samstags) wieder im Darmstädter Logenhaus statt. Traditionell besuchen die Darmstädter Andreasbrüder regelmäßig die Andreas-Themen-Tage in Mannheim.