Geschichte der Andreasmaurerei

Jacques de Molay, 23. und letzter Großmeister des Tempelritter-Ordens

Vor dem Zweiten Weltkrieg gab es ca. 100.000 Freimaurer in Deutschland. Die drei sogenannten altpreußischen Großlogen repräsentierten mehr als 80% von ihnen und ihre Freimaurer-Systeme beinhalteten mindestens vier Grade. Somit war die Mehrzahl der deutschen Freimaurer in Andreaslogen, Inneren Orienten und Andreasgraden organisiert (siehe »Besuchsabkommen«). Das sollte sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland ändern.

Über die Entstehung der Andreasgrade (ab dem IV. Grad), wie der gesamten Freimaurerei, gibt es eine Vielzahl von Vermutungen, Spekulationen und Fakten. Weit verbreitet ist die Templer­legende, welche die Freimaurerei als Nach­folgerin des 1312 aufgehobenen Tempelritter-Ordens sieht. Demzufolge gelangten einige Tempelritter nach dem Tod des letzten Großmeisters Jacques de Molay (1244-1314) nach Schottland, wo sie die Ideale ihres Ordens durch die Verbindung mit ausgewähl­ten Steinmetzen und deren Werkmaurer­logen (auch Bauhütten genannt) weiterleben ließen.

Der Name Schottische St. Andreasloge soll dabei sowohl an Schottland wie an den Schutzhei­ligen der Schotten und der Andreasbrüder, den Apostel Andreas erinnern. Von dieser Legende abgeleitet, haben auch freimaurerische Schriftsteller fälschlicherweise angenommen, dass die Andreasmaurerei gegen Ende des 14. Jahrhunderts entstanden sein soll. (vgl. Hieber 1880) Es steht aber heute fest, dass das nicht auf historischen Tatsachen beruht. Nachweislich gab es jedoch Ende des 15. Jahrhunderts in Schottland Werkmaurer­logen, welche zunehmend Berufsfremde aufnahmen. Die älteste dieser, bis heute unun­terbrochen als Freimaurerloge arbeitend, hat noch Aufzeichnungen ab dem Jahr 1599.

Die gewachsene Andreasmaurerei dient dem Übergang von der Symbolik der Werkmaurerlogen (Zirkel und Winkelmaß) zur Rittersymbolik (Schwert, Sporen und Mantel). Sie bleibt für Aufbau, Inhalte und Lehre einiger freimaurerischer Systeme unverzichtbar, wie z.B. das der Großen Landesloge der Freimaurer von Deutschland.

Zirka 150 Jahre später entstanden in Frankreich verschiedene freimaurerische Hochgradsysteme (d.h. ab dem IV. Grad). In diesen wird an das Schicksal der Tempelritter erinnert, die einem Justizskandal zum Opfer gefallen waren, und zum Teil an ihre Geschichte und Vernichtung angeknüpft. 1750 erhielt der schwedische Kanzleirat »Carl Friedrich Eckleff« (1723-1786) vom Ordensmeister des Großen Kapitels »Illumine« aus Genf (die Genfer Freimaurer hatten ihre Kenntnisse angeb­lich aus Avignon) einen Freibrief zur Grün­dung eines Ordenskapitels in Schweden. Carl Friedrich Eckleff wurde erster Ordensmeister (auch Vicarius Salomonis genannt) in Schweden und gründete am 30.11.1756 die Andreasloge »L’Innocente«.

1763 erfuhr »Johann Wilhelm Kellner von Zinnendorf« (1731-1782) von der »rei­nen« freimaurerischen Lehre in Schweden und 1766 bekam Hans Karl Baumann von Carl Friedrich Eckleff u.a. »Rituale und Akten aller Grade«, einen Freibrief und eine Instruktion für den Ordensmeister zur Aushändigung an Johann Wilhelm Kellner von Zinnen­dorf.

Am 22.11.1769 gründete Johann Wilhelm Kellner von Zinnen­dorf in Berlin die Andreasloge »Indissolubilis«. Das erste Stiftungsfest wurde acht Tage später gefeiert. Am 27.12.1770 entstand unter seiner Leitung die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland.

Am 27.03.1772 ging die Johannis-Freimaurerloge »Zur weißen Taube« in Darmstadt zur Großen Landesloge über und Prinz Ludwig Georg Karl wurde ihr Vorsitzender Meister. Durch den Übertritt der Darmstädter Johannis-Freimaurerloge wurde es möglich, dass er am 10.06.1773 zum Landesgroßmeisters der Großen Landesloge gewählt werden konnte. Dies führte zur Anerkenntnis durch die Große Loge von London (seit 1813 United Grand Lodge of England).

1819 erfolgte die Übersendung weiteren schwe­dischen Ritualmaterials, welches »Christian Carl Friedrich von Nettelbladt« (1779-1843) in die Überarbeitung der »Eck­leffschen Akten« einbezog. Mit den Nettel­bladtschen Ritualen wird bis heute noch gearbeitet, wobei Revisionen in den Jahren 1910, 1912 und 1914 durchgeführt wurden.

Erst am 27.12.1841 wurde die Andreasloge »Indissolu­bilis« der Großen Landesloge – neben der sie bisher unabhängig bestand – einverleibt.


vgl. Kleines Kompendium der Andreasloge – Teil I – Der Andreas-Lehrling-Gesellengrad zusammengestellt von Br. Uwe Matthes – Kiel 2008 – Seite 8.